Forschungsprojekt „Cradle to Cradle Innovation Processes (CCIP)“
Das von der Quality Austria, dem Land Oberösterreich und der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) gestiftete Institute for Integrated Quality Design (IQD) erforscht, wie sich der lebenszyklusorientierte Produktqualitätsstandard Cradle to Cradle auf die Innovationsprozesse von Unternehmen auswirkt.
Ziel des Forschungsprojekts
Das Ziel ist, ein tiefgreifendes Verständnis des Verhältnisses zwischen Lebenszyklusorientierung, Produktqualität, Managementsystemen und Innovation zu erarbeiten. Dieses ist zentral, um Innovationshürden im Bereich der Lebenszyklusorientierung von Produkten zu überwinden und einem ganzheitlichen Qualitätsanspruch im Sinne der Vermeidung von Gesundheitsrisiken und Umweltauswirkungen den Weg zu ebnen.
In diesem Zusammenhang untersucht das Forschungsprojekt CCIP, auf welche Art, österreichische Vorreiterunternehmen wie zum Beispiel gugler*print oder Erdal, das Produktgestaltungskonzept Cradle to Cradle umsetzen. Das Forschungsprojekt CCIP ist für den Innovationspreis ie:ku 2017 des Oberösterreichischen Cleantech-Clusters nominiert.
Cradle to Cradle Produktzertifizierungsstandard
Cradle to Cradle – von der Wiege zur Wiege – entwickelt den bestehenden Cradle to Grave Ansatz – von der Wiege zur Bahre – des Lebenszyklus weiter zu geschlossenen Materialkreisläufen wie sie die Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) fordert. Zunächst als Produktdesignkonzept veröffentlicht wurde Cradle to Cradle zum ersten Zertifizierungsstandard der Kreislaufwirtschaft. Seit dem Inkrafttreten des Standards im Jahr 2010 wurden weltweit mehr als 500 Produkte zertifiziert.
Der Zertifizierungsstandard teilt sich in produkt- und produktionsspezifische Kriterien auf und ordnet die Qualität von Produkten in fünf Stufen von Basic zu Platinum ein. Ziel davon ist, Unternehmen einen Einstieg in ganzheitliche Qualität zu ermöglichen und sie zur kontinuierlichen Verbesserung der ökologischen und sozialen Aspekte ihrer Produkte zu ermuntern. Das produktspezifische Kriterium Material Health verlangt, dass alle Bestandteile eines Produktes auf ihr chemisches Gefahrenpotenzial während der Anwendung untersucht werden. Krebserregende oder mutagene Stoffe sind in Produkten ausgeschlossen. Mit einer Untersuchungstiefe von 1.000 ppm ist Cradle to Cradle um ein Vielfaches strenger als die für Produktsicherheitsdatenblätter geforderten 100 ppm. Das Kriterium Material Reutilization fordert, alle im Produkt enthaltenen Stoffe entweder einem technischen Kreislauf zuzuordnen, dieser ist anwendbar auf Materialien, die rein und damit in gleichbleibender Qualität immer wieder verwendet werden können (z.B. Metalle oder Polymere), oder einem biologischen Kreislauf, der für Materialien gilt, die sich während des Gebrauchs auflösen oder Substanzen an die Umwelt abgeben (z.B. Reinigungsmittel oder Reifen). Für die produktionsspezifischen Kriterien wird der Standort gegen seine Verwendung von erneuerbaren Energien, seinen verantwortlichen Umgang mit Wasser und der Gesellschaft zertifiziert. Damit setzt Cradle to Cradle großen Herausforderungen wie dem Ausgesetzt sein toxischer Stoffe und Ressourcenarmut gesunde Materialien und die Kreislaufführung von Rohstoffen gegenüber.
Das Forschungsprojekt CCIP im Detail
Das Forschungsprojekt CCIP untersucht, wie österreichische Umweltpioniere das Wissen um diesen neuartigen Produktgestaltungsansatz in die Realität umgesetzt haben. Dazu verwendet es ein generisches Prozessmodell aus der Innovationsforschung (siehe hierzu das vorläufige Forschungsmodell), das die Innovationsprozesse der Unternehmen unterteilt in die Phasen:
- Identification – wie werden Unternehmen auf neue Themen in ihrem externen Umfeld aufmerksam?
- Assimilation – wie wird das Wissen im Unternehmen zu allen relevanten Stellen verbreitetet, und wie wird dann dieses neue Wissen mit bestehendem Wissen vereinigt?
- Application – wie setzen sie das Wissen, das sie sich angeeignet haben, im Unternehmen um?
Dadurch kann ein firmen- und branchenübergreifendes Verständnis der Entwicklungsprozesse gänzlich neuartiger Produkte ermöglicht werden. Ein wichtiger Untersuchungsaspekt im Forschungsprojekt ist die Zusammenarbeit mit externen Partnern der Unternehmen und deren Rolle im Innovationsprozess. Die Partner teilen sich auf in Wertschöpfungspartner innerhalb der vor- oder nachgelagerten Wertschöpfungskette und Institutionelle Partner wie z.B. Berater oder die Zertifizierungsstelle.
Vorläufige Ergebnisse
Die Integration von Umweltaspekten in die Unternehmensstrategie fördert die Wahrnehmung von neuen Gestaltungskonzepten wie Cradle to Cradle (Identification). Darüber hinaus zeigt sich bisher, dass in der Assimilisationsphase sowohl Workshops mit externen Partnern sowie die Managementsysteme eine wichtige Rolle beim Verbreiten und Verarbeiten des neuen Wissens spielen. Insbesondere während der Assimilisations- und Applikationsphasen finden intensive Austauschbeziehungen mit den Lieferanten und Partnern statt, um bereits die Vorprodukte in der richtigen Cradle to Cradle Qualität zu entwickeln. Diese enge Kollaboration mit den Wertschöpfungspartnern vereinfacht eine zielgerichtete Produktentwicklung, und ein externer Innovationsintermediär und Wissenstreuhänder können sicherstellen, dass wettbewerbskritisches Wissen gewahrt bleibt.
Mit der Zusammenarbeit zwischen der JKU bzw. dem IQD und der Quality Austria wird ein innovativer Weg beschritten, um einen Beitrag zur Entwicklung des Integrierten Qualitätsmanagements im Kontext von Produktlebenszyklus-Management und nachhaltigkeitsorientierter Innovation zu leisten.
Kontakt
Julia Schmitt, MSc
Institute for Integrated Quality Design (IQD)
Johannes Kepler Universität Linz
+43 732 2468 5525
Ansprechpartner Umwelt und Energie
Team

Netzwerkpartner*in

Herr DI Peter Sattler, MAS
Netzwerkpartner, Produktexperte SURE, PEFC CoC und ISO 38200
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